Kultur und Tradition

Die Traditionen dieser Region reichen bis in die Zeit der Wüstenstämme zurück und sind von deren Stammesgeschichte geprägt. Sie wurden von Generation zu Generation mündlich weitergereicht und sind noch heute fester Bestandteil des modernen arabischen Lebensstils. Die Gebräuche und Werte zur Wahrung von Familientraditionen sowie sozialen Beziehungen und Interaktionen werden weiterhin gepflegt.

Die Kultur von Sharjah ist fest in den islamischen Traditionen der arabischen Welt verwurzelt. Islam ist weit mehr als eine Religion. Er betrifft alle Aspekte des alltäglichen Lebens und ist die Seele des kulturellen Erbes von Sharjah. Wichtige Werte des Islam sind Ehrlichkeit, Höflichkeit und Gastlichkeit – Eigenschaften, die von unseren Besuchern hoch geschätzt werden.

Landestracht

Die bequeme und einfache Kleidung dieses Landes hat sich im Einklang mit dem Klima und Lebensstil entwickelt.

Herrenkleidung

Herren tragen eine Dishdasha. Diese lange, weiße Robe kann aus Baumwolle oder Seide mit synthetischen Fasern hergestellt sein und ist immer perfekt gebügelt.  Die Kopfbedeckung besteht aus drei Teilen: dem quadratischen Kopftuch (Gutrah), das meistens weiß ist, einem eng anliegenden Käppchen (Gahfiya), das unter dem Kopftuch getragen wird, und einem Stirnband (Agal), das aus einem geflochtenen Wollseil besteht und das Kopftuch hält.

Zu besonderen Anlässen wird über der Dishdasha ein Umhang (Mishlah) aus edlem Woll- oder Baumwollstoff getragen, dessen Ränder mit Gold- oder Silberstickereien verziert sind. Der Mishlah wird abends getragen, ähnlich wie ein Smoking.

Damenkleidung

Frauen bedecken ihr Haar mit einem leichten Chiffon-Kopftuch (Sheyla). In der Vergangenheit wurde jedoch der gesamte Körper vom Kopf bis zu den Zehenspitzen durch eine schwarze Robe, die Abaya, bedeckt. Anstelle der vormals sehr schlichten und leichten Baumwollkopfbedeckung wird heute die aus einem Crepe- oder Chiffonstoff hergestellte Abaya getragen, die oft mit Pailettenbesatz, Kristallen und Stickereien reich verziert ist. Die Kopfbedeckung der Frauen ist sehr charakteristisch und weist oft auf die Region ihrer Herkunft hin. Die traditionelle Gesichtsbedeckung der Frauen in den Emiraten ist die Burka, welche die Augenbrauen, Wangen und Nase der Frau bedeckt.

Einheimische Küche

In der Vergangenheit war die Küche am Persischen Golf stark von den einfachen Speisen der Beduinen und Perlentaucher beeinflusst. Das Frühstück bestand aus Brot und Pfannkuchen und zum Mittags- und Abendmahl gab es frisch gefangenen Fisch oder Fleisch auf Reis. Der Reis wurde aus dem Osten eingeführt und per Dau (arabisches Holzschiff) geliefert. Zu besonderen Anlässen wurde ein Schaf oder eine Ziege geschlachtet und zum Fest gebraten. Zu den meisten Mahlzeiten werden auch die sehr nährstoffreichen Datteln, entweder frisch oder getrocknet, serviert. Im Laufe der Zeit wurde eine Vielfalt an importierten Lebensmitteln und Kochmethoden eingeführt, zusammen mit den aromatischen Gewürzen aus dem Osten. Zu den beliebtesten Gerichten gehören heute Machbous (Spezialität aus Fleisch mit Reis und deftigen Gewürzen, Tomaten, Zwiebeln und getrockneter Zitrone), Khouzi (Lammbraten, gefüllt mit Nüssen und Gewürzen), Harees (köstlicher Brei aus Lamm und Weizen) und Al threed (Gericht aus Brot, Fleisch und Soße). Gastlichkeit gehört zur arabischen Tradition und Besucher haben stets die Gewissheit, mit reichlichen Portionen und maximalem Komfort verwöhnt zu werden.

Gebäck und Süßigkeiten

Neben den vielen leckeren Hauptgerichten gibt es auch zahlreiche köstliche Desserts. Häufige Zutaten sind Margarine, Zucker, Zimt, Honig, Datteln und Nüsse. Zu den bekanntesten Gebäcksorten der VAE gehören Al Khabesa (Mischung aus Mehl, Wasser, Zucker und Safran), Al Khanfaroush (aus Mehl, Wasser, Zucker und Eiern), Al Mohammar Beldebs (weißer Reis, der gekocht wird, bis er sich rot verfärbt), Al Betheeth (Gebäck aus Mehl mit Margarine und Datteln), Al Qurs Al Mafrouk (ein Teig, der im Boden vergraben und dort gebacken wird; anschließend wird die Erde abgeschüttelt und es wird Margarine und Zucker aufgestrichen), Al Mahli (dünne Kekse, die mit Butter zubereitet und mit Eiern und Zucker gegessen werden), Al Khameer (gekneteter Mehlteig mit Datteln und Zucker), Al Saquo (Gebäck gemischt mit Margarine, Zucker und Kardamom), Bilaleet (ein kaltes Gericht aus dünnen Nudeln, serviert mit einem heißen Eierpfannkuchen), Mamroosa, Fouqua und Luqaimat. Viele dieser Dessertspeisen werden mit dem Zucker aus den örtlich geernteten Datteln gesüßt.

Musik, Tanz & Folklore

Zeremonielle Volkstänze, Poesie und Lieder aus der Vergangenheit sind ein fester Bestandteil der modernen arabischen Kultur.  Sie wurden durch traditionelle Gebräuche und Werte sowie durch soziale Beziehungen und den Handel mit anderen Ländern, wie Ostafrika, Iran und Indien, beeinflusst. Die arabische Volkskunst dieser Region basiert entweder auf den Kunstwerken der nomadischen Wüstenbewohner (Beduinen) oder auf denen der Seefahrer.

Gemeinschaftssinn und Stammesverbundenheit werden durch soziale Zeremonien gestärkt, wie z. B. auf Hochzeiten und Eids, auf denen gesungen und getanzt und die schönste Kleidung getragen wird. Bei jedem Fest kommt eine Vielfalt von geschnitzten Instrumenten zum Einsatz, wie Trommeln, Wind- und Saiteninstrumente (z. B. das Streichinstrument Rehab und der lautenähnliche Oud), Tamburin und Messingzimbeln. Holz war in der Vergangenheit sehr rar und wertvoll, weshalb es vor allem für Gegenstände mit zeremonieller Bedeutung verwendet wurde. Bei den Männertänzen kommen oft Schwerter und Stöcke zum Einsatz, während bei den weiblichen musikalischen Zusammenkünften die Bedeutung von Schmuck und häuslicher Kunst zum Ausdruck gebracht wird. Lieder und eine einfache Begleitung auf einer kleinen handgehaltenen Rahmentrommel (Tar) und Tamburin (Daff) sind vor allem bei Brautfeiern populär, während bei den Feiern des Bräutigams laute Trommelschläge, Rhythmen, Schüsse und festliche Musik vorherrschen.

Architektur

Die älteste Unterkunftsform nach den Nomadenzelten der Beduinen bestand aus kleinen Hütten, die ausschließlich aus Palmwedeln (Arish) hergestellt wurden. Später wurden die Häuser aus örtlichem Korallen- und Seegestein gebaut. Die Steine wurden mit Mörtel zementiert und die Dachstruktur wurde aus Mangrovenstämmen hergestellt. Privatsphäre, Kühlung und Sicherheit waren die wichtigsten Aspekte beim Bau der Festungen und Häuser. Diese Merkmale sowie das Klima und die örtlich verfügbaren Baustoffe bestimmten die Konstruktion der Gebäude. Windtürme sind eine typische Einrichtung in dieser Region. Sie wälzen die Luft im Raum um und sorgen somit für Kühlung. Die schönen restaurierten Gebäude in den Kultur- und Kunst-Vierteln zollen dem Charme und der Funktionalität dieser historischen Bauwerke Tribut.

Daus

Heute wird jedes aus Holz hergestellte Schiff als Dau bezeichnet. Diese Schiffe werden nach alter Tradition aus Holz gebaut und sie erinnern uns an die lange Tradition des Seehandels in diesem Gebiet. Vor Jahrhunderten überquerten die Besitzer dieser Holzschiffe die Meere bis nach China und noch weiter. Heute werden die Daus meist für den Warenhandel zwischen den VAE, Iran, Pakistan und Indien eingesetzt. Die häufigste Bauform ist die Boum, gekennzeichnet durch einen flach abgewinkelten, vom Bug ausgehenden Mast und einen schwarz-weiß lackierten Bug. Die Sambouk ist eine schlankere Ausführung mit einem rundlicheren Bug und wurde ursprünglich von Perlentauchern verwendet. Später wurde sie für die Fischerei angepasst. Eine weitere häufige Ausführungsform ist das Jalibout, ein kräftiges Schiff mit geradem, vertikalem Mast.

Traditionssportarten

Die Beizjagd ist ein beliebter Jagdsport. Dabei werden wilde Falken abgerichtet, kleine Beutetiere zu fangen und für die Abendmahlzeit des Falkners zurückzubringen. Ursprünglich war der Erhalt von frischem Fleisch in diesem Wüstengebiet der Hauptzweck für die Falknerei. Das wichtigste Beutetier ist die Kragentrappe, die Falken fangen jedoch auch Feldhasen und Triele, die in den steinigen Wüstengebieten leben.

Vollblutaraber sind weltweit berühmt. Man nimmt an, dass das erste Pferderennen in Sharjah an der Al Arouba Road vor der Festung Al Hisn stattgefunden hat. Heute können diese prächtigen und edlen Pferde im Sharjah Equestrian & Racing Club bewundert werden. 

Kamele werden oft als Schiffe der Wüste bezeichnet und schon seit Jahrhunderten in Rennen eingesetzt. Diese plumpen Kreaturen können Geschwindigkeiten bis 20 km/h erreichen und ein Kamelrennen ist ein unvergessliches Erlebnis.

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